Projekt „BLAUE SCHUHE – zu Fuß zur Schule“

Projekt „BLAUE SCHUHE – zu Fuß zur Schule“ im Programm Moving School 21 Riegger, 2/2013 Das Programm Moving School 21 sieht vor, dass die urbane Umgebung einer Schule mit zum Planungsbereich für Bewegungserziehung und Gesundheitsförderung gehört. Die Planung des Schulweges mit dem Konzept „Blaue Schuhe“ geschieht im Unterricht und einer Planungswerkstatt in der Schule. Ziel ist es, ein verbindliches Konzept für die Verkehrssicherheit der Schüler und Schülerinnen zu entwickeln und im Unterricht und auf täglichen Schulweg zu Fuß zu erproben. Gesundheitsförderung und Bewegungserziehung im Projekt „BLAUE SCHUHE“ In einem ca. 500m-Radius um die Schule werden entsprechend der Einzugsbereiche der Schule geeignete Treffpunkte (Park- und Wartemöglichkeiten für Eltern) markiert, die als Ausgangspunkte für den gemeinsamen Schulweg dienen. Hier treffen sich die älteren Schüler (4. Klasse) mit den jüngeren Mitschülern (1. Klasse) und begleiten diese zu Fuß zur Schule. Diese Treffpunkte dienen gleichzeitig den Eltern als Haltestelle (Elternhaltestelle), um hier Ihre Kinder zu verabschieden, aus dem Auto zu lassen und den täglichen Verkehrsinfarkt vor den Schulen zu vermeiden. Durch einen Schulweg von 500m, den die Kinder 2x täglich zurücklegen, der nicht nur gegangen, sondern auch durch entsprechende Gestaltung balanciert, gehüpft, etc. werden kann, erhöhen sich die Bewegungszeiten der Kinder ganz erheblich. Unterrichtsmodell „BLAUE SCHUHE“ Zum Unterricht in den Fächern Geografie und Sachunterricht oder zum fächerübergreifenden Projektunterricht gehört das Thema „Urbanes Schulumfeld“. Zu den Aktivitäten gehören dabei die Untersuchung und Erkundung der Innen- und Außenräume der Schule und der Schulumgebung. Im Unterricht sollen die Schüler die schulischen und die urbanen Räume begehen, kartografisch erfassen, beschreiben und entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse nach Ruhe, Erholung, Bewegung, Ästhetik, u.a beurteilen lernen. Weitere Fächer finden hier auch ihre Themen, z.B.: Deutsch: Wegbeschreibungen Mathematik: Entfernungsmessungen (Längen messen, diese miteinander verglichen, Längen zu schätzen und Entfernungen in Beziehung setzen und vergleichen) Beteiligung „BLAUE SCHUHE“ In Form einer Planungswerkstatt werden mit den Schülerinnen und Schülern Gestaltungsmöglichkeiten und Bewegungsanlässe für den Schulwegweg geplant und auf dem Schulgelände erprobt. Erste Schritte sind die Markierung des Treffpunktes und des Weges mit den blauen Schuhen (Markierung durch Farbe und Schilder). Anschließend wird der Schulweg auf Grundlage der Ergebnisse der Planungswerkstatt bewegungs- und erlebnisorientiert gestaltet. Diese Planung und Umsetzung muss in Abstimmung mit dem jeweiligen Tiefbau- und Grünflächenamt erfolgen. Ausbildung Schulwegpaten Von den Verkehrssicherheitsbeauftragten der Berliner Polizei ist ein Ausbildungsmodell für Schulwegpaten entwickelt worden. Dabei werden Schüler der 4. und 5. Klassen zu Schulwegpaten ausgebildet. Sie sind die Mentoren der Erstklässler und führen mit dem „Schulbus zu Fuß“ diese sicher zur Schule, erläutern Gefahrenstellen, Überwege und Ampeln und zeigen die Kurzzeit-Spiele, die auf dem Schulweg gespielt werden können. Soziales Lernen und Verantwortung Zu dem Willkommengefühl für die Schüler der ersten Klassen wird durch das Projekt auch die Übernahme von sozialer Verantwortung für andere gelernt und gelebt. Dieses soll sich positiv auf das Verhalten der Schüler untereinander im Schulalltag und auch auf das Zusammenleben am Nachmittag und an Wochenenden im Kiez auswirken. Damit gewinnt das Mentoren Programm einen Realitätsbezug und ordnet sich auch für die Schüler verstehbar in das Schulprofil und die im Unterricht erarbeiteten Zielstellungen ein. Weitere Informationen: • Liepe, J; Riegger, St.: Mobilitätserziehung. Innovation, Wissen, Handeln – zum europäischen Schulwegtag 2009. Basisbeitrag In: Grundschulmagazin Schwerpunkt Mobilität 3/09, 8 -11 • Riegger, St.: Bewegte Wege. Schulwege mit interessanten Aufgaben gestalten. In: Grundschulmagazin Schwerpunkt Mobilität 3/09, 13 -17

Die Bewegungsbaustelle wird 25 Jahre

Die Bewegungsbaustelle wird 25 Jahre Berlin: Fachtagung am 15. Und 16. März 2013 am Institut für Sportwissenschaft (Humboldt Universität zu Berlin) In den letzten 25 Jahren haben LehrerInnen, ErzieherInnen und WissenschaftlerInnen beobachtet, dass Kinder im Kita- und Grundschulalter immer weniger motorische Kompetenzen haben. Untersuchungen in einigen Bundesländern zeigten, das diese Kinder geistige, psycho-physischen und gesundheitliche Probleme als Folgeerscheinungen bekommen haben, die durch Bewegungsmangel hervorgerufen werden: Übergewicht und Adipositas, erhöhte Verunfallung und mangelndes Sicherheitsbewusstsein. Zudem zeigen die Daten, dass auch die Schulnoten bei diesen Kindern eindeutig schlechter sind als bei motorisch gut entwickelten Altersgenossen. Vor 25 Jahren entwickelten Sport- und Erziehungs- wissenschaftler die Bewegungsbaustelle, um einen sich bereits zu der Zeit abzeichnenden Bewegungsmangel entgegenzuwirken. Die Bewegungsbaustelle hat sich in der Zwischenzeit zu einem vielseitigen, didaktischen Instrument entwickelt, dass von Lehrern, Erziehern und Übungsleitern erfolgreich eingesetzt wird. Die Kinder spielten für die Entwicklung der Bewegungsbaustelle eine wichtige Rolle – sie machten durch ihre Kreativität vor, was alles in den Holzteilen und Kisten steckt – und die Wissenschaftler staunten. Am 15. und 16. März 2013 soll das Jubiläum „25 Jahre Bewegungsbaustelle“ im Mittelpunkt einer Fachtagung stehen, die gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus Wissenschaft und Praxis gestaltet wird. Am 15. März 2013 werden Pädagogen und Wissenschaftler sich in einer Konferenz und in Arbeitsgruppen treffen, um die besten Praktiken beim Einsatz der Bewegungsbaustelle vorzustellen und über ihre Erfahrungen auszutauschen. Am 16. März 2012 werden die Kinder eine Hauptrolle spielen. Darstellendes Spiel, Theater, Komik, Slapstick und Kunststücke, geheimnisvolle Geschichten und Ereignisse werden gespielt, inszeniert und vorgeführt. Das "Theater auf der Bewegungsbaustelle" soll allen Besuchern zeigen, was Kreativität im Sinne der Gesundheitsförderung und Bewegungserziehung hervorbringen kann. Sie können hier den Tagungsablauf sowie das Anmeldeformular für die Teilnahme herunterladen: http://www.dkhw.de/cms/themen-foerderungen/spielraum-2/1322-die-bewegungsbaustellen RG 1/2013

Bewegungsbaustelle – Kurzform

Die Bewegungsbaustelle ist ein von Wissenschaftlern unter pädagogischen, motorischen, und gesundheitsfördernden Aspekten entwickeltes, vielseitig einsetzbares und kosten- günstiges didaktisches Instrument, das Kinder zum gemeinsamen, intensiven und beweg- ten Spielen anregt. Sie ist konzipiert für Kindergärten, Vorschulen, Grundschulen und Ganztagsschulen im Primarbereich, die Interesse daran haben, Spiel- und Bewegungs- angebote in den Kita-Alltag, den Unterricht, die Schulpause oder den Nachmittagsbereich einzubinden.
Die „Bewegungsbaustelle“ ist für Kinder zwischen 4 und 12  Jahren geeignet und fördert ihre motorische, soziale und kognitive Entwicklung. Sie besteht aus einfachen Holz- bauteilen (Kästen, Balken, Bretter), die wie überdimensionale Bauklötzer zusammen- setzbar sind. Die Kinder entwickeln, konstruieren und erproben damit Spiel- und Beweg- ungsräume, die immer wieder umgebaut werden können. Sie machen Bewegungs- und Körpererfahrungen, setzen sich mit verschiedenen Materialien, Formen und Situationen auseinander und erleben im Zusammenwirken mir anderen Erfolge beim Konstruieren und Bauen.

Indem sich die Schüler mit dem Material beschäftigen (im gemeinsamen Spiel), erkunden sie es, machen sich vertraut mit dem Gewicht, mit Ecken und Kanten. Es entstehen dabei Bewegungslandschaften, die vielseitig beklettert und bespielt werden können und in hohem Maße Anreize für Gleichgewichtserfahrungen darstellen. Die Bewegungsbaustelle ist sowohl in Räumen und Fluren als auch im Freigelände einsetzbar.


Was wird durch die BBS gefördert?

Gesundheitsförderung: Im Sinne des salutogenetischen Gesundheitsverständnisses („Was erhält den Menschen gesund? WHO, 1986) werden den Kindern mit der Bewegungsbaustelle der für Kinder so wichtige Könnensoptimismus vermittelt (Kohärenzsinn). Das Erlebnis des Gelingens ihrer Baupläne und Bewegungsabsichten wird durch gemeinsames Bemühen und das lustvolle Erfahren der damit verbundenen Bewegungsexperimente verstärkt. Selbstvertrauen und Bewegungssicherheit verschafft den Kindern den Mut und den Zugang zu neuen Unternehmungen und Wagnissen.

Bewegungserziehung: Die BBS ist Bestandteil einer vorbeugenden und/oder therapeutischen Körpererziehung. Gefördert werden durch Spiel und Bewegungsaktivität die motorischen Grundfertigkeiten: Laufen, Gehen, Springen, Klettern und Balancieren. Die Kraft der Arme und die Muskulatur des Rumpfes werden beansprucht, die Beweglichkeit des ganzen Körpers entwickelt.

Sprachentwicklung:  Durch das Gewicht der Einzelteile der Bewegungsbaustelle bekommt die Spielregel: „Nie alleine – immer zu Zweit“ zwei Bedeutungen; zum einen Sicherheit durch Kooperation beim Tragen und Bewegen der schweren Baustellenelemente, zum anderen die Notwendigkeit der Kommunikation beim Bauen und Konstruieren von Bewegungslandschaften (Interaktion verlangt Sprache). Sprach-Rohre unterstützen den Prozess bis hin zum darstellenden Spiel: Rollenspiele und Theaterstücke.

Risiko- und Sicherheitstraining: Der Umgang mit wackeligen Konstruktionen, die Einschätzung von Gefahren, die Überlegungen zum sicheren Um- und Neubau enthalten die für Kinder wichtigen Kenntnisse zur Gefahrenprofilaxe. Das Motto der Bewegungsbaustelle – „Kinder haben das Recht auf eine eigene Beule“ zeigt, dass beim Spielen (im kalkulierbaren Maß) auch Risiken eingegangen werden. Mit dem Abspringen und Landen, mit Hinfallen und „Anecken“ werden die wichtigen Selbstschutz-Reflexe ausgebildet.

Kreativität: Die klaren, einfachen und anschaulichen Formen der BBS haben eine starke Wirkung auf die kindlichen Gestaltungskräfte. Experimente mit der Balance, mit Bällen und Rohren, mit der Sprache, bei Rollenspielen entzünden ein unendliches „Feuerwerk“ an Ideen und Spielformen. Das Spiel in der Bewegungsbaustelle findet nie ein Ende.

Wie flexibel ist die Bewegungsbaustelle?
Technische Entwicklung/Perspektiven:

Die BBS kein fertiges Endprodukt. Sie kann - je nach Entwicklungsstand der Kinder - durch neue Teile erweitert werden. Dafür haben sich folgende „Extras“ bewährt: Drainagerohre, Taue, Springseile, Decken, Teppichfliesen. Helme und Handschuhe sind die „theatralische“ Ausstattung für das Rollenspiel: „Kinder-Bauarbeiter“.